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Jazzdimensions, 14.2.2002 - www.jazzdimensions.de
Karl Schloz
- "To make people feel good"
Wenn
von "Swing" die Rede ist, wird oft nur an die lang vergangene Swing-Ära
gedacht. Doch in der Gegenwart, und im Zusammenhang mit Karl Schloz,
bedeutet "Swing", daß die Musik eben swingt - so wie andere groovt.
Der Titel von Schloz´s neuer CD läßt auf Feinfühliges schließen,
und "A Smooth One" steht auch für Kompositionen, die subtil und
sanft für ein gutes Feeling beim Hörer sorgen. Was diesen dann aber
angenehm umschmeichelt, ist nicht etwa "Smooth-Jazz", sondern der
Klang eines soliden Trios aus Gitarre, Klavier und Baß.
Deine
Musik wird oft als "contemporary swinging music" bezeichnet. Wie
würdest du in diesem Zusammenhang den Begriff "Swing" definieren
und was bedeutet Swing für dich?

Ich
würde meine Musik nicht dem Gattungsbegriff "Swing" zurechnen -
damit bezeichnet man eine bestimmte Ära in den 30igern - Benny Goodman,
Count Basie etc. - wovon bin ich zugegebenermaßen auch stark beeinflußt
bin. Das Wort "Swing" ist für mich der Name für eine Stimmung, die
mich erfüllt, wenn ich mir Musik anhöre, wenn ich selber Musik spiele.
Es ist eine Art von Spannung, erzeugt das Gefühl einer vorwärtsstrebenden
Bewegung. Die besten Spieler dieser Ära haben diese Stimmung in
höchstem Maße kultiviert.
Für
mich - was meine Musik angeht - soll das nicht heißen, daß ich in
irgendeiner Form "retro" spiele, oder mich darauf beschränke, Stücke
aus dieser Zeit nachzuspielen. Auch wenn ich mich selbst als einen
"Modern Player" bezeichne, ist, was ich spiele, sehr in der Tradition
verwurzelt. Es ist aber nicht so, daß ich versuche, einer bestimmten
Zeit verhaftet zu bleiben - ich lebe ja schließlich auch in der
Gegenwart.
Alle
Songs auf deinem Album "A Smooth One" sind Fremdkompositionen. Aus
welchem Grund ist das so? Wie sieht das mit deinen eigenen Kompositionen
aus? Ziehst du das Spielen dem Komponieren vor?
Ich
habe viel mehr Erfahrung im Spielen als im Komponieren. Dennoch
schreibe ich auch selber Stücke. Mein nächstes Album wird voraussichtlich
überwiegend Eigenkompositionen beinhalten. Ich bin der festen Überzeugung,
daß auf der einen Seite Spieler und auf der anderen Seite Schreiber
geben muß. Der Fall, daß beide in derselben Person erscheinen -
und beides gleichermaßen gut -, ist sehr selten. Ich betrachte mich
selber viel eher als Ausführender denn als Komponist. Als letzterer
muß ich noch Erfahrungen sammeln, aber es entwickelt sich dahin,
daß sich mein Schreiben mehr und mehr verbessert.
Wie sieht es aus - spielst du auch noch irgendein anderes Instrument
neben der Gitarre?
Ich
spiele zwar ein bißchen Klavier, aber nur für die Musikschule -
ich würde das niemals im Bereich meiner Arbeit als Musiker machen.
- Also nur die Gitarre - obwohl: nicht "nur" die Gitarre ... - Ich
glaube an die Gitarre als Instrument: sie kann einerseits sehr orchestral
sein - wenn ich aber Rhythmusgitarre spiele, betrachte ich das oft
als die "wahre" Gitarre.
Mein
Lehrer, Bucky Pizzarelli, sprach eine Menge über die vielen Richtungen
und Möglichkeiten des Instruments. Oft, wenn ich seine Bands hörte,
klangen sie nach einer ganzen Bigband - das lag daran, wie er die
Gitarre spielte. Es hörte sich nach soviel mehr, soviel größer an.
Und im nächsten Moment hörte es sich an, wie klassische Sologitarre,
dann wie Jazz-Gitarre - mit einem intimeren Sound: sehr subtil und
filigran.
Du
spielst eine siebensaitige Gitarre - kannst Du uns Näheres über
das Instrument und seine Spieltechnik erzählen?
Ich
spiele eine handgebaute siebensaitige Gitarre von Bill Moll, einem
Gitarrenbauer aus der Nähe St.Louis. Mein Hauptinstrument, und eine
wirklich schöne Gitarre! Obwohl sie einen Tonabnehmer besitzt, ist
sie eigentlich dafür gedacht, rein akustisch gespielt zu werden.
- Der erste Jazzgitarrist mit sieben Saiten war ja George Van Eps,
der in den 30er Jahren damit anfing.

Die
siebente Saite - das habe ich von Bucky Pizarelli - wird zum tiefen
A gestimmt, eine Oktave unter der 5. Saite. Genau der Ton der A-Saite
auf dem Bass. Das erlaubt einem, in den ganzen b-Tonarten zu spielen,
As oder Es - und dabei echte Bassnoten zur Verfügung zu haben. Normalerweise
ist der tiefste Ton der Gitarre ein E - spielt man also in Es, so
ist der tiefste Basston beinahe eine Oktave darüber, also eigentlich
kein Basston mehr.
Mit
der siebten Saite kann man besser orchestrieren, ähnlich dem "drop-voicing"
am Klavier. Das eignet sich hervorragend, um einen Sänger in einem
Duo zu begleiten - es erweckt den Eindruck einer größeren Besetzung,
als ob ein Bass dabei wäre. Das gibt dem Sänger ein angenehmeres
Gefühl, er hört Bass und Akkorde. Auch beim Solospiel habe ich die
Möglichkeit in einer Lage hohe und tiefe Töne zu spielen.
Außerdem
besitze ich eine Benedetto "Manhattan" - gebaut von Bob Benedetto,
dem möglicherweise berühmtesten aller Gitarrenbauer. Eine extrem
schön klingende Gitarre, die ich vor allem im Studio benutze. Allerdings
auch sehr empfindlich - nicht daß ich Angst hätte, sie aus dem Koffer
zu nehmen, aber wenn ihr etwas passiert wäre sie quasi unersetzlich.
Als Rhythmusgitarre verwende ich am liebsten eine 1939er Epiphone
Deluxe - die früher Bucky gehört hat, er hat sie in den 40ern gespielt.
Spielst
du nur in kleinen Formationen - etwa im Trio oder im Quartett -
oder auch in Bigbands?
In
der Zeit, in der ich in New York arbeitete, war es meine wichtigste
Erfahrung, in einer Bigband zu spielen - die "Tony Corbiscello"-Bigband.
Zweieinhalb Jahre lang habe ich stets zwei Gigs pro Woche mit seiner
Band gehabt. Ich spielte bei ihm fast nur geradlinige Freddy Green-Count
Basie -Rhythmusgitarre.
Das
war ein großer Einfluß auf mein Spiel - soweit es das Lernen dessen
betraf, was "Timing" wirklich bedeutet, oder das Lernen von Tunes.
Ich habe hunderte von Tunes gelernt, die natürlich alle von der
Bigband-Ära herkamen. Das hatte einen großen Effekt auf mein Repertoire
- und alles was ich spiele, tendiert noch immer gerne in diese Richtung.
Soweit
es meine eigenen Bands betrifft, halte ich die Besetzung kleiner
- für mich ist da mehr zu tun. Und es gibt eine größere Chance,
Auftritte zu bekommen! Die Frage der Ökonomie spielt natürlich auch
eine Rolle - es ist viel billiger, eine kleinere Gruppe am Laufen
zu halten, verglichen mit einer Bigband.
Dein
Album hat den Titel "A Smooth One" - hat das etwas mit dem zu tun,
was aus kommerziellen Gründen momentan "Smooth Jazz" genannt wird?

Nein,
es war ausschließlich meine Idee, das Album so zu betiteln. Nagel-Heyer-Records
- Frank Nagel-Heyer, - meinten, wir sollten aber sicher gehen, daß
die Leute begreifen, daß es kein Smooth Jazz ist. Und es ist sicherlich
keiner! - Es sind eine ganze Menge Kompositionen auf der Platte,
die lose mit Benny Goodman in Verbindung gebracht werden können.
Als
ich dabei war, mir über den Namen des Albums Gedanken zu machen
habe ich an diese Ära gedacht. Es gibt tatsächlich einen bestimmten
Song, ich weiß nicht genau, ob er von Benny Goodman geschrieben
ist - aber er heißt "A Smooth One", ein Stück, das jeder schon mal
gehört hat. Ich habe es zwar auf dem Album nicht gespielt, aber
ich dachte, daß der Titel einfach paßt. Weil die Musik eine solche
Atmosphäre hat, gleichzeitig beruhigend und intensiv - auf eine
sehr sanfte Art und Weise.
Die
Magie von Rhythmusgitarre und "subtle harmonie" - um dich zu zitieren
- scheint für dich sehr wichtig zu sein. Welche Techniken benutzt
du, um dieses Ziel zu realisieren?
Nun,
Rhythmusgitarre ist primar eine unterstützende Rolle, was ich mag!
- ungefähr zur Zeit Wes Montgomeries gab es diesen Split bei den
Gitarristen. Noch in den späten 50ern konnte man das Gitarrenspiel
ganzheitlich betrachten. In den 60er Jahren schlüpften Gitarristen
solistisch gesehen in die Rolle der Bläser, spielten die Melodie.
Davor
waren alle Gitarristen auch großartige Rhythmusgitarristen - Herb
Ellis, Charlie Christian, Barney Kessel - alle spielten auch hervorragend
Rhythmus. Das war Teil des Gitarrenspiels - die unterstützende Rolle
für die Band. Das macht sie für mich zum Teil der Rhythmusgruppe,
zusammen mit Bass, Klavier und Schlagzeug.
Wenn
die Rhythmsection gut zusammenspielt - "locks up" - dann verhält
sie sich wie ein einziges Instrument. Für mich ist das das Größte
- außerdem macht es Spaß! Es gibt dem Solisten eine verläßliche
Basis um sich festzuhalten - außerordentlich wichtig, aber immer
weniger Gitarristen möchten sich in dieser unterstützenden Position
sehen ...
Was
ich als "subtle harmonies" bezeichne, geht darauf zurück, wie ich
den Jazz grundsätzlich betrachte. Es gibt gewisse Traditionen, Songformen,
Chordchanges. Nicht daß ich nur so spielen möchte, ich meine, daß
sich Musik entwickeln muß - aber sie sollte auch einen Ursprung
besitzen. Aber es ist immer gut, bei den Grundlagen anzufangen und
ab da zu variieren. Nur ganz behutsam - Leute sollen sich nicht
Sachen anhören müssen, die "schwierig" klingen, um den Eindruck
zu erwecken, auch schwer zu spielen zu sein. Zuhören sollte keine
"Arbeit" sein.
Harmonien
können sehr komplex sein, sich dabei aber immer noch angenehm anhören
- das ist es, was ich anstrebe. Eine gewisse Komplexität, die aber
dem Zweck dient, schöne Musik zu machen, und sowohl dem Hörer als
auch den Musiker in mir befriedigt.
Carina
Prange
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